Die Hammaburg im Jahr 834

Am 15.Mai 834 entsandte Kaiser Ludwig der Fromme den jungen Missionar Ansgar nach Hammaburg. Hammaburg bedeutet auf Sächsisch einfach “ umzäunte feuchte Niederung” und bezeichnete die schon seit Langem bestehende Ringwallanlage zwischen Alster und Elbe.

Ansgars Mission war es Hammaburg zum Missionszentrum des Nordens zu entwickeln. Die strategisch günstige Lage am Handelsweg von Haithabu bei Schleswig über den Geestrücken und die Alsterfurt zum einzigen Elbübergang bei Artlenburg und von dort weiter nach den bedeutenden Handelsplätzen Bardowick und Magdeburg prädestinierte Hammaburg als Ausgangspunkt dieser Vision. Der Kaufmann bereitete dem Missionar den Weg.

Die Hammaburg liegt auf einem Geestrücken. Mit einem Durchmesser von 75 Metern besteht sie aus einem mit Palisaden erhöhten Wall aus Baumstämmen und Erdreich. An der Innenseite des Walls liegen die Unterkünfte der Besatzung und das Herrenhaus des Burg- und Markgrafen Bernhard. Er ist militärischer Kommandant und Gerichtsherr. Die Einheimischen betreiben Fischfang, Ackerbau und Viehzucht. Der Handel liegt in den Händen eingewanderter Friesen und reisender Kaufleute. Insgesamt leben hier 200 Menschen.

In 1021 wird nach vielen Querelen zwischen dem Klerus und den Fürsten Hammaburg von dem Obotriten Mistewoi komplett zerstört.

Die "Neue Burg"

Als Nachfolgebau entsteht die “Neue Burg”.

Herbst 1066: beim Aufstand der Wenden ist Hamburg, im Gegensatz zu den Verwüstungen durch die Wikinger im Jahre 845, noch einmal davongekommen. Hamburg wird gemeinsam mit Bremen Erzbistum.

Der hölzerne Mariendom wird von Erzbischof Adalbert durch eine steinerne Kirche ersetzt.

Als Graf Adolf III aus dem heiligen Land zurückkehrt teilt er dem Rat der Stadt mit, dass Kaiser Friedrich der I. am 7.Mai 1189 einen Freibrief erteilt hat. Dieser beinhaltet:

  1. Hamburg erhält das Recht, Menschen und Waren vom Meer bis in die Stadt ohne Zoll und Abgaben zu bringen.

  2. Im Umkreis von 15 km vom Stadtkern darf keine Burg gebaut werden.

  3. Hamburger Bürger bleiben frei vom Heerbann und dürfen nur zur Verteidigung ihrer eigenen Stadt herangezogen werden.

  4. Die Stadt erhält eine eigene Marktpolizei, freie Fischerei-,Weide- und Holzschlagerechte.

Mit diesem Freibrief hat Hamburg seinen “Geburtsschein” erhalten als dessen eigentlicher Gründer Adolph III. angesehen werden kann.

Hamburg wird Handelshafen

Aus Hamburg wurden zu dieser Zeit zwei deutlich voneinander unterscheidbare Städte. Um den Dom herum gruppiert sich die erzbischöfliche Altstadt mit vorwiegend gewerbetreibender Bevölkerung und um den Alsterhafen die gräfliche Neustadt, in der Kaufleute und Schiffer wohnen.In diesem Jahr haben sich beide Städte eine aristokratische Ratsverfassung gegeben und am Fischmarkt bzw. Hopfenmarkt jeweils ein Rathaus gebaut. Beide Städte zählen inzwischen 1.500 Einwohner.

Hamburg, 105 km von der See entfernt und an der 1000 km langen Elbe liegt genau an der Flutgrenze, sodass zukünftig auch größere Schiffe ihre Waren bis nach Hamburg bringen und sich hier mit den Binnenschiffen von der Oberelbe treffen können.Und deshalb hat Adolf III. 1188 das Land an der Mündung der Alster einem unternehmenden ehemals herzoglichen Zolleinnehmer, Wirad von Boizenburg, mit allen Privilegien zum Bau eines Hafens und einer dazugehörigen Stadt übertragen.

Die Neustadt wurde als Kaufmannssiedlung gegründet und auf dem Gelände der zerstörten Neuen Burg errichtet. Ein Jahr später verlieh der römisch-deutsche Kaiser Friedrich Barbarossa der neuen Siedlung am 7. Mai einen Freibrief, der weitreichende handels- und stadtrechtliche Privilegien enthielt. Im Jahr 1266 wurde das Dokument beglaubigt. Es gilt gewissermaßen als Geburtsurkunde des Hafens und als Grundlage für Hamburgs Aufstieg zu einer mächtigen Hansestadt. Dies wird jedes Jahr beim Hafengeburtstag groß gefeiert.

Neben der Neustadt wird die erste Wassermühle angelegt und die Alster aufgestaut. In der Neustadt wird eine Kapelle gebaut und dem heiligen Nikolaus, dem Schutzpatron der Schiffer, geweiht.”Auf dem Berg” gibt es schon seit Jahren die Marktkirche St.Petri.

Nahe der Alster entsteht das Hospital St. Georg. Von diesem Kern des heutigen Stadtteils Hamburg-Altstadt mit St. Petri und St. Nikolai ausgehend, entwickelte sie sich immer weiter- bis zur heutigen Metropolregion. Im Jahr 1300 hatte Hamburg immerhin schon 5000 Einwohner, und die Fläche betrug 72,9 Hektar. Erst im Zuge der Stadterweiterung des 17. Jahrhunderts wurde auch das Gebiet des heutigen Stadtteils Neustadt Teil der Innenstadt.

Das Wallsystem

Von 1531 an war die Stadt zur Verteidigung mit einem Wallsystem versehen worden, das immer weiter ausgebaut wurde.

Ein wirklich beständiges, effektives Befestigungswerk entstand aber erst von 1616 an unter der Regie Johan van Valkenburghs. Er verlieh dem Stadtkern Grundzüge seines heutigen Erscheinungsbildes.

Die Festung war nur durch sechs Tore zu betreten, deren Namen heute noch erhalten sind: im Westen das Millerntor, im Norden das Dammtor, im Osten das Steintor, im Südosten das Deichtor und im Süden Brook- und Sandtor. Diese Tore wurden Nachts geschlossen und dienten als Zoll- und Kontrollpunkte.

Die Festungsanlagen boten zwar dauerhaft Schutz engten aber den städtischen Raum zunehmend ein.

Die Einwohnerzahl erhöhte sich von 70.000 auf 100.000. Das Gedränge, Lärm und Verschmutzung kann man sich heute nicht vorstellen.Um sich zu erholen und aufzutanken, drängte es die Menschen in die Umgebung. Nach Dammtor, Winterhude, Havestehude, Uhlenhorst und Hammerbrook.

Im Jahr 1840 begann man mit der Entfestigung, um die Neutralität der Stadt nach außen zu demonstrieren.

Damals legte man die Sternschanze nieder- eine sternförmige Bastion.

Nach dem Ende der Franzosenzeit (1806-1814) ordnete der Rat den vollständigen Abbau der Befestigungsanlagen an. Von 1820 bis 1832 wandelte man den Befestigungsring der nunmehr freien und Hansestadt zu einem ringförmigen Park um.

Großer Brand und Wiederaufbau

Der große Brand von 1842 veränderte das Erscheinungsbild der Innenstadt erheblich. Rund 1.700 Häuser, sieben Kirchen und mehr als 100 Speicher waren zerstört worden. Die Trümmerfläche erstreckte sich über mehr als  40 Hektar.

In Verbindung mit dem Wiederaufbau wurden Eisenbahnprojekte vorangetrieben.

1844 Altona-Kiel, 1846 Hamburg-Berlin und 1847 Harburg-Hannover.

Der Brand begünstigte die Stadtentwicklung. Durch die Absenkung des Alsterwasserspiegels und Maßnahmen eines modernen Wassermanagements konnten Gebiete trockengelegt und neue Baugebiete erschlossen werden.

(Uhlenhorst, St. Georg, Hammerbrook, Borgfelde, Hamm und Billstedt)

Erst nach langem politischen Gezerre konnte die Bürgerschaft sich 1870 gegen den Senat durchsetzen und die Torsperre aufheben. Damit war der Weg frei für das Zusammenwachsen der Stadt mit ihrer Umgebung.

Die 15 Vororte die allesamt dicht am Stadtzentrum lagen, wurden nun durch Bebauung und Besiedlung erweitertes Stadtgebiet. Die Einführung der Gewerbefreiheit sorgte zusätzlich für Prosperität und Bevölkerungswachstum.

Eine faszinierende Zahl verdeutlicht die dynamische Entwicklung dieser Zeit:

1838 hatten in  den 15 Vororten 10.409 Menschen gelebt. Nur 7 Jahr später waren es bereits 44.606 Menschen.

Auch die verkehrstechnische Entwicklung, Bahnlinien, öffentlicher- und Schiffsverkehr entwickelten sich rasant.

Die neuen Stadtteile waren nicht nur Wohnquartiere sondern immer mehr Unternehmen siedelten sich an, darunter Brauereien, Tabak-und Keksfabriken oder Großbäckereien.

Einen weiteren Entwicklungsschub brachte 1888 der Freihafen und der Bau der Speicherstadt. Gleichzeitig verdichtete sich durch den damit einhergehenden Zustrom von Arbeitskräften wiederum das städtische Wohnen. Das Leben in den Gassen und Gängen war armselig. In den späten 1890-iger Jahren gab es drei große Gängeviertel. Die hygienischen Verhältnisse mußten zwangsläufig irgendwann zu einer Epidemie führen. Durch die verheerende Cholera waren die Stadtväter aus dem Tiefschlaf erwacht.

Eine dramatische Abbruchsanierung und die Einführung eines Zu- und Abwasserleitungssystems waren die Folge.

Zollanschluss und Freihafen machten um die Jahrhundertwende die Verdopplung des Güterumschlages und damit die überragende Geschäftsentwicklung der Unternehmen möglich.

Die Reeder und die Werften verdienten sich eine goldene Nase.

Mit 31 Jahren wurde der Reeder Albert Ballin Vorstandsmitglied der Hamburg-Amerikanischen-Actien-Gesellschaft HAPAG. 1899 war sie die größte Schifffahrtsgesellschaft der Welt.

Viele große und namhafte Unternehmen entstanden. 1912 ging der Flughafen ebenso wie die U-und Hochbahn in Betrieb. Waren es 1880 nur ca. 600 Betriebe, hatte Hamburg 20 Jahre später bereits 5.000. Im Jahre 1899 rückten Stadt und Umland weiter zusammen.

Altona und Blankenese wurden durch eine Straßenbahnlinie miteinander verbunden.1913 kamen zu den 15 Stadtteilen weitere 7 hinzu.

Dieser Zuwachs setzte sich in den 20iger Jahren unter Federführung von Oberbaudirektor Fritz Schumacher ungebremst fort.

Seit im Jahre 1933 die Nazis die Macht in Hamburg übernommen hatten, änderte sich das gesellschaftliche und politische Leben radikal.Sie verfolgten zwei Strategien:

Umwerben der Arbeiter und des konservativen Bürgertums und massiver Terror gegen Andersdenkende und Minderheiten. In Hamburg gab es 17 Konzentrationslager. In der künftigen Führerstadt sollte die Macht des 3. Reiches besonders spektakulär zum Ausdruck kommen. Nach den Plänen Speers sollte mit dem Gesetz über Groß-Hamburg von 1937 die Stadt völlig umgestaltet werden.

Zwei Dutzend Gemeinden verloren ihre Eigenständigkeit. Das Stadtgebiet vergrößerte sich von 415 auf 745 Quadratkilometer. Die Bevölkerungszahl stieg von 1,19 Millionen auf 1,68 Millionen. Diese gewaltsame Erweiterung des Stadtgebietes wurde nach dem Untergang des NS-Regimes nicht revidiert.

Der von Hitler entfesselte Krieg mündete in Tod und Verderben.

Vom 25. Juli bis zum 3. August 1943 flogen die Alliierten 7 schwere Angriffe auf Hamburg. Die Operation Gomorrha forderte 40.000 Menschenleben und veränderte die Stadt für immer. Wie sollte es weitergehen?

Der Wiederaufbau der Stadt war eine gigantische Kraftanstrengung.

300.000 Wohnungen waren verloren gegangen. Man schaffte 15.000 pro Jahr. Viele zogen aufs Land oder ganz weg. Der schnelle Bau von bezahlbaren Wohnraum hatte seinen Preis: viele Stadtteile gerieten eintönig und funktional. Für architektonische Glanzlichter fehlten Geld und Zeit.Was zählte war ein Dach über dem Kopf.Es entstanden Großwohnsiedlungen wie Osdorfer Born, Neu-Steilshoop und Mümmelmannsberg. Es wurden Straßenschneisen autogerecht mitten durch die Stadt geschlagen auf Kosten der Lebensqualität.

Auch die Gegend um die Elbe veränderte sich im Laufe der Jahrzehnte stark. Nach der verheerenden Sturmflut mit 315 Toten im Jahr 1962 wurden neue, umfangreiche Hochwasserschutzanlagen mit Schleusen, Sperr-und Schöpfwerken geschaffen, die die Schutzlinie erheblich verkürzten. Die südliche Elbseite ist seitdem erheblich besser gegen Sturmfluten geschützt. Die neuen Deichlinien haben das Erscheinungsbild einiger Stadtteile dort auch stark verändert.Die Abdämmung der Alten Süderelbe zwischen Finkenwerder und Neuenfelde nach 1962 schuf eine wichtige Voraussetzung für die Umsetzung der Hafenerweiterung, die immer noch andauert.

Hamburg mit Hafen, Alster, Hafencity, dem Weltkulturerbe Speicherstadt, der Elbphilharmonie und vielen weiteren baulichen und kulturellen Projekten hat sich aus der “schlafenden Schönen” in eine der attraktivsten Städte Deutschlands und Europas verwandelt. Hamburg ist inzwischen eine weltbekannte Stadtmarke, touristisch ebenso wie ökonomisch.

Egal, wie die Anmutung Hamburgs einmal aussehen mag- es wird spannend bleiben, die Entwicklung dieser Stadt zu begleiten.

Heute

Egal, wie die Anmutung Hamburgs einmal aussehen mag- es wird spannend bleiben, die Entwicklung dieser Stadt zu begleiten.

Mit der Eröffnung der Elbphilharmonie am 11. Januar 2017 erhält die Hansestadt ein neues Wahrzeichen. Und nicht nur das: Dieser weltweit beachtete Bau auf dem ehemaligen Kaiserspeicher A am Eingang der neuen HafenCity zeigt wieder einmal, dass Hamburg zu den Metropolen gehört, die sich ständig erneuern, ohne dabei ihr historisches Erbe aus dem Blick zu verlieren.